Klug entscheiden ... Rheumatologie

Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) ist sehr gerne der Aufforderung der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) gefolgt, sich an der Initiative „Klug entscheiden“ (Kasten: Procedere) zu beteiligen. Die DGRh hat je fünf Positiv- beziehungsweise Negativ-Empfehlungen zu häufigen Bereichen der Unter-, Fehl- und Überversorgung in der Rheumatologie formuliert. Die Auswahl sollte nach folgenden Kriterien erfolgen:

Positiv-Empfehlungen adressieren diagnostische und therapeutische Maßnahmen, die zu selten angewendet werden, obwohl ihr Nutzen evidenzbasiert nachgewiesen ist;

Negativ-Empfehlungen adressieren diagnostische und therapeutische Maßnahmen, die häufig durchgeführt werden, obwohl sie evidenzbasiert als nicht nutzbringend erkannt sind.

Mit der Erarbeitung der Empfehlungen beauftragte die DGRh ihre Kommission Pharmakotherapie. Diese setzte sich zunächst mit der internationalen „Choosing wisely“-Kampagne auseinander und sichtete die dazu bereits verfügbaren Empfehlungen aus der US-amerikanischen und kanadischen Rheumatologie. Beide nordamerikanischen Kampagnen beinhalten jedoch ausschließlich Negativ-Empfehlungen und sind zudem nicht 1:1 auf deutsche Verhältnisse übertragbar.

Zum weiteren Prozedere wurde beschlossen, zunächst Vorstand und Beirat der DGRh um Nennung von Themen für Positiv- und Negativ-Empfehlungen zu bitten. Die dazu gestartete Abfrage ergab rasch ein relativ übereinstimmendes Meinungsbild und einen hohen Konsens der Experten für die zu adressierenden Bereiche. Die aus dieser Umfrage abgeleiteten Themen wurden dann innerhalb der Kommission als Arbeitspakete verteilt. Die Abstimmung erfolgte zunächst in Kommission und Vorstand der DGRh und in einem zweiten Schritt innerhalb der DGIM. Im Rahmen einer ersten Konferenz in der DGIM-Repräsentanz in Berlin, bei der unter anderem Vertreter der zwölf Schwerpunktgesellschaften zugegen waren, wurden grundsätzliche Entscheidungen zu den „Klug entscheiden“-Empfehlungen getroffen. In einer weiteren Sitzung wurden dann die konkreten Empfehlungen diskutiert und mit Überarbeitungsvorschlägen auch bereits verabschiedet. Das Ergebnis dieses Konsentierungsprozesses für die DGRh präsentieren wir im Folgenden.

Diskussion

Die „Klug entscheiden“-Empfehlungen der DGRh lenken die Aufmerksamkeit auf Aspekte der Diagnostik und Therapie im Fach Rheumatologie, die aufgrund klarer wissenschaftlicher Evidenz durchgeführt (Positivempfehlungen) beziehungsweise unterlassen (Negativempfehlungen) werden sollen. Die DGRh hat dafür Themen gewählt, bei denen das Zuviel oder Zuwenig an ärztlichem Handeln im Versorgungsalltag besonders häufig erlebt wird und negative Konsequenzen für die Patienten oder die Solidargemeinschaft zur Folge hat.

Die Empfehlungen sollen häufige Aspekte der Über-, Fehl- und Unterversorgung zu erkennen und zu vermeiden. Wir weisen jedoch darauf hin, dass der Arzt in begründeten, individuellen Situationen von der „Klug entscheiden“- Empfehlung abweichen kann oder sogar muss. Im Gespräch mit dem Patienten soll sich der Arzt auf die Empfehlung der Fachgesellschaft berufen können. Deshalb plant die DGRh, in Kooperation mit den anderen Schwerpunktgesellschaften der DGIM, eine Patientenversion der Empfehlungen.

Ziel der Empfehlungen ist eine Verbesserung der Patientenversorgung bei gleichzeitig angemessenem Ressourceneinsatz. Dazu wird im ersten Schritt ein Bewusstsein geschaffen für häufige Bereiche der Über-, Fehl- und Unterversorgung, das sich im Laufe der Zeit in einer Änderung der Versorgungspraxis niederschlagen soll. Deshalb ist die „Klug entscheiden“- Initiative der DGIM erst der Auftakt für die Etablierung einer intelligenten und zukunftsfähigen Versorgungspraxis, in der die verfügbaren Mittel so optimal wie möglich eingesetzt werden. Wünschenswert wäre eine begleitende Versorgungsforschung, die die Versorgungspraxis vor und nach Veröffentlichung der Empfehlungen in den Blick nimmt.

Prof. Dr. med. Christoph Fiehn,
Prof. Dr. med. Peter Herzer,
Priv. Doz. Dr. med. Julia Holle,
Priv. Doz. Dr. med. Christof Iking-Konert,
Prof. Dr. med. Andreas Krause,
Prof. Dr.med. Klaus Krüger,
Prof. Dr. med. Elisabeth Märker-Hermann,
Dr. med. Julia Rautenstrauch,
Prof. Dr. med. Matthias Schneider

Literaturnachweise

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