Unmittelbarerer Beginn einer Glucocorticoidtherapie bei konkretem Verdacht auf Riesenzellarteriitis
Bei konkretem klinischen Verdacht auf eine Riesenzellarteriitis (früher „A. temporalis“) soll unverzüglich mit einer Glukokortikoid- Therapie begonnen werden; die anstehende Diagnostik soll den Therapiebeginn nicht verzögern.
Die Riesenzellarteriitis (RZA) ist die häufigste Vaskulitis im höheren Alter. Typische Symptome sind neben den Kopf- auch Kauschmerzen, eine berührungsempfindliche Kopfhaut, Myalgien, Gewichtsverlust sowie erhöhte systemische Entzündungswerte (Blutsenkungsgeschwindigkeit [BSG] und/oder C-reaktives Protein [CRP]). Die RZA führt im schlimmsten Fall zu einer (meist irreversiblen) Erblindung und ist deshalb ein Notfall. Eine Therapie mit Glukokortikoiden (40-60mg p.o. , bei Augenbeteiligung 500mg i.v.) sollte nicht durch die anstehende Diagnostik verzögert werden. Die definitive Diagnose wird heute mittels Gefäßultraschall, Magnetresonanztomografie (MRT), PET-CT oder, bei nicht konklusiven Befunden in der Bildgebung, mittels Temporalis- Biopsie gestellt 1. Eine negative Temporalisbiopsie schließt hingegen wegen des segmentalen Befalls die Erkrankung nicht aus. Die Bildgebung sollte zugunsten der Sensitivität innerhalb von 72 Stunden nach Beginn der Glukokortikoidtherapie angestrebt werden 3. Auch eine Temporalisbiopsie, soweit notwendig, sollte optimalerweise innerhalb weniger Tage nach Therapiestart erfolgen. Falls dies nicht gelingt, verbleibt die Aussicht auf eine positive Histologie auch bei späterer Biopsie für mindestens bis zu 4 Wochen.1 - 3