Screening für Bauchaortenaneurysma
Bei Vorliegen von kardiovaskulären Risikofaktoren soll ab 65 Jahren ein Screening auf Bauchaortenaneurysma mittels Ultraschall erfolgen.
Abdominelle Aortenaneurysmen (AAA) sind definiert als fokale Erweiterung der Aorta ab 3cm im transversalen Durchmesser oder als sprunghafte Verdopplung des Durchmessers. Das Rupturrisiko der meist asymptomatisch wachsenden Aneurysmen steigt ab einem Durchmesser von 5,5cm (Mann) bzw. 5,0cm (Frau), weswegen ab dieser Größe zur elektiven Ausschaltung der AAA geraten wird. Da AAA bei Frauen selten vorkommen, wurde Männern ab dem 65. Lebensjahr seit 2017 einmalig ein Ultraschall-Screening auf ein Bauchaortenaneurysma zugestanden 1. Leitlinien zufolge sollen aber auch Frauen ab dem 65. Lebensjahr mit einer jetzigen oder früheren Raucheranamnese gescreent werden, ebenso erstgradig Verwandte von Patienten mit AAA ab dem 50. Lebensjahr, und Patienten mit anderen Aneurysma-Lokalisationen oder angeborenenen Bindegewebserkrankungen wie Marfan- oder Ehlers-Danlos-Syndrom 2.
Wurde ein AAA diagnostiziert, soll bei einem Durchmesser von 3-4cm aller 2 Jahre kontrolliert werden, bei einem Durchmesser von 4-5 cm jährlich und bei 5-5,5cm Durchmesser halbjährlich.
Die Darstellung des AAA erfolgt im B-Bild vom Zwerchfell bis zur Aortenbifurkation im Längs- und Querschnitt. Die Bestimmung des maximalen Durchmessers erfolgt orthogonal in anterior-posteriorer und transversaler Achse nach der LELE-Methode (leading edge-to-leading edge; Gefäßaußenwandreflex zu Innenwandreflex). Orthogonal bedeutet senkrecht zur Gefäßachse gemessen und vermeidet falsch zu hoch bestimmte Durchmesser infolge einer Abweichung der Aorta zur Seite oder nach vorn. Pulsatile Durchmesserschwankungen (bis zu 5mm) sollen beachtet werden.
Einer standardisierten sorgfältigen Messung kommt hohe Bedeutung zu, da der Durchmesser gegenwärtig das einzige prädiktive Rupturkriterium darstellt und beim Überschreiten der Grenzwerte die Indikation zur offenen oder endovaskulären Intervention nach sich zieht. Betroffene sollen sorgfältig über den natürlichen Verlauf, Aneurysma-assoziierte Risiken und auch potentielle Komplikationen der Operation bzw. EVAR-Versorgung aufgeklärt werden. Seit 2024 besteht Anrecht auf eine Zweitmeinung vor elektiver Aneurysma-Ausschaltung 3. In den letzten Jahren zeigte sich ein starker Rückgang der AAA-Prävalenz, der überwiegend auf einen drastischen Rauchverzicht zurückgeführt wird. Eine Screening-bedingte Reduktion der Mortalität konnte in Metaanalysen bislang nicht belegt werden, weswegen der Nutzen des AAA-Screenings neu bewertet werden soll 4. Unterschätzt wird, dass kleinere Aneurysmen (3-5cm) eine hohe kardiovaskuläre Mortalität von 40% zeigen (vgl. Rupturrisiko 2%), was Anlass zum kardiovaskulären Risikofaktorenmanagement sein muss, v.a. Blutdruckeinstellung, Rauchverzicht 5 - 6.