CHA₂DS₂-VA-Score zur Einschätzung der Antikoagulation bei Vorhofflimmern
Bei der Indikationsstellung zur oralen Antikoagulation bei Vorhofflimmern soll der neue vom Geschlecht unabhängige CHA₂DS₂-VA-Scoreverwendet werden.
Vorhofflimmern ist die mit Abstand häufigste anhaltende Herzrhythmusstörung. Einer von drei Menschen wird im Laufe seines Lebens Vorhofflimmern entwickeln. Vorhofflimmern ist assoziiert mit einem erhöhten thromboembolischen Risiko wie einem Schlaganfall, einer Herzinsuffizienz, einer erhöhten Mortalität, Depression, Demenz und kognitiver Einschränkung und reduzierter Lebensqualität assoziiert [1, 2].
Nach den aktuellen Leitlinien sollte klinisches Vorhofflimmern (AF) mithilfe eines 12-, Mehr- oder Ein-Kanal-EKGs dokumentiert werden (1). Seit 2024 empfiehlt die European Society of Cardiology (ESC) die Anwendung des CHA₂DS₂-VA-Scores anstelle des bisherigen CHA₂DS₂-VASc-Scores (1,2). Bei einem CHA₂DS₂-VA-Score ≥ 2 wird eine orale Antikoagulation (OAK) empfohlen (IC-Empfehlung). Bei einem CHA₂DS₂-VA-Score von 1 kann eine OAK erwogen werden (IIaC-Empfehlung)[1]. Dies gilt jetzt unabhängig des Geschlechts.
Gemäß den aktuellen Leitlinien sind DOAC (direkte orale Antikoagulanzien) Vitamin-K-Antagonisten (VKA) vorzuziehen (IA). DOACs sind in Studien VKAs nicht unterlegen und haben ein reduziertes Risiko für intrakranielle Blutungen [1, 4-7]. Bei Patienten mit mechanischen Herzklappen ist ein DOAC kontraindiziert und bei mittel-hochgradiger Mitralklappenstenose aktuell nicht empfohlen (1). Der perkutane Verschluss des linken Vorhofohres (LAA) kann bei Patienten mit Vorhofflimmern in Betracht gezogen werden, wenn eine langfristige Antikoagulation kontraindiziert ist (IIb, C) (1). Bei einer gleichzeitigen herzchirurgischen Operation sollte das Vorhofohr gemäß der LAAOS III-Studie zeitgleich verschlossen werden (IB-Empfehlung) [1, 7]. Trotzdem sollte dann die orale Antikoagulation fortgeführt werden [1].
Bei Vorhofflimmern sollte gemäß dem AF-CARE-Prinzip vorgegangen werden [1]. Nach einer initialen Frequenzkontrolle sollte insbesondere langfristig eine rhythmuserhaltende Therapie bei gegenüber einer frequenzerhaltenden Therapie vorgezogen werden [1]. Dies sollte in einer gemeinsamen Entscheidung erfolgen (engl. „shared decision making“). Neben den bekannten Risiken wie Schlaganfall ist Vorhofflimmern auch mit Herzinsuffizienz sowie subklinischen zerebralen Schäden assoziiert, die das Risiko für kognitive Beeinträchtigungen und vaskuläre Demenz erhöhen können. Zudem ist Vorhofflimmern mit einer Reduktion der Lebensqualität und Depression assoziiert. Insbesondere die Behandlung der Komorbidtäten (z.B. arterieller Hypertonus, Diabetes , Adipositas, ec.) hat zudem an Stellenwert gewonnen. Nach den CARE-Prinzip [1] sollte patientenzentriert behandelt werden:
• C: Comorbidities and risk factor management
• A: Avoid stroke and thromboembolism
• R: Reduce symptoms by rate and rhythm control
• E: Evaluation and dynamic reassessment
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