Vermeidung von Harnblasenverweilkatheter
Blasenverweilkatheter erhöhen die Infektionsgefahr und sollen deshalb nur in Ausnahmefällen wie bei einem akuten Harnverhalt und mit möglichst kurzer Dauer angewandt werden.
Blasenverweilkatheter werden häufig und mit vielen Indikation eingesetzt, bevorzugt bei älteren Patienten. Dabei verursachen sie zahlreiche Probleme: Die Anlage des Katheters empfinden viele Patienten als schmerzhaft; Katheter führen oft zu Einschränkungen der Mobilität und der Alltagsaktivitäten. Darüber hinaus begünstigen sie Harnwegsinfektionen (HWIs); nach Schätzungen sind etwa 70 -80 % aller im Krankenhaus erworbenen HWIs katheterassoziierte Infektionen. HWIs wiederum zählen zu den häufigsten nosokomialen Infektionen, korrelieren mit verlängerten Krankenhausaufenthalten und können ernsthaften Komplikationen wie einer Sepsis den Weg bereiten.
Zu den besonders wirksamen Präventionsmaßnahmen zählen die Vermeidung unnötiger Katheterisierungen, die tägliche Überprüfung der Indikation und die Beschränkung der Dauer auf ein Minimum. Katheter-Restriktionsprotokolle sind ein wichtiger Bestandteil von multimodalen Interventionen, um Katheter-assoziierte Harnwegsinfektionen zu reduzieren.
Deshalb ist die Indikation für die Anlage eines Blasenkatheters sorgfältig zu stellen. Blasenkatheter sind indiziert bei einem akuten Harnverhalt. Sie können indiziert sein im Rahmen einer intensivmedizinischen Behandlung oder perioperativ. Ein engmaschiges, z.B. stündliches Monitoring der Urinproduktion kann ebenfalls die Anlage eines Katheters rechtfertigen. Weitere Indikationen können chronische Harnverhalte in Abhängigkeit von der Blasenfüllung (z.B > 300 ml), das Vorliegen größerer Dekubitalulzera glutäal oder sakral oder eine palliative Situation sein. Eine Urininkontinenz allein rechtfertigt nicht die Anlage eines Blasenverweilkatheters.1 - 7.