HCC-Früherkennung durch Ultraschalluntersuchung bei Leberzirrhose
Patienten mit Leberzirrhose im Stadium Child-Pugh A und B soll unabhängig von der Ursache der Leberzirrhose die Teilnahme an einer HCC-Früherkennung durch eine Ultraschalluntersuchung der Leber alle 6 Monate angeboten werden.
Eine Leberzirrhose ist weiterhin der wichtigste Risikofaktor für die Entwicklung eines HCC [1]. Prinzipiell weist jeder Patient mit einer Leberzirrhose unabhängig von der zugrunde liegenden Ätiologie (HCV, HBV, MASH/metabolisches Syndrom, chronischer Alkoholabusus, Hämochromatose, α1-Antitrypsin-Mangel u. a.) ein erhöhtes HCC-Risiko auf. Das relative Risiko unterscheidet sich jedoch je nach Ursache der Erkrankung erheblich. Kohortenstudien haben gezeigt, dass etwa 1–8 % aller Patienten mit Zirrhose ein HCC entwickeln (2 % bei HBV, 3–8 % bei HCV) [2-4]. Bei einer MASLD oder MASH variiert hingegen die HCC-Inzidenz sehr stark (0,004–7,6 %) [5,6].
Je nach Gesundheitswesen ist ein HCC-Früherkennungsprogramm kosteneffizient ab einer jährlichen HCC-Inzidenz von 0,2 % bzw. 1,5 % [7, 8]. Eine HCC-Früherkennung kann zu einer früheren Tumordiagnose und somit zu einer Verbesserung der Überlebenszeit bei Patienten mit Leberzirrhose beitragen. Für Patienten mit chronischer Hepatitis B liegt eine randomisierte Studie vor, die eine Senkung der Mortalität für Patienten mit HCC-Früherkennung um 37 % im Vergleich zu keiner Früherkennung zeigte [9]. Für Patienten mit anderen Grunderkrankungen liegen keine randomisierten Studien, jedoch eine Vielzahl an Kohortenstudien vor, die einen ähnlichen Nutzen für das Gesamtüberleben aufzeigten [10]. Aufgrund dieser Datenlage wird in allen Leitlinien eine sonographische HCC-Früherkennung in 6- monatlichem Intervall empfohlen.
Die Sonographie ist eine Technik zur Früherkennung. Im Rahmen der HCC-Früherkennung ist die Durchführung einer qualitätsgesicherten Ultraschalluntersuchung wünschenswert. Ein verdächtiger Befund erfordert eine weitere Abklärung mittels MRT/CT. Eine Metaanalyse zeigt, dass die Sensitivität der Früherkennung durch eine zusätzliche Alpha-Fetoprotein (AFP) Bestimmung erhöht wird [11].
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