Positiv-Empfehlung

Bei Patienten mit akutem ST-Hebungs-Infarkt soll innerhalb von weniger als 60 Minuten nach Diagnosestellung in der Notaufnahme die Koronar-Revaskularisation erfolgen.


Im akuten Myokardinfarkt mit ST-Hebung (STEMI) muss die Zeit zwischen medizinischem Erstkontakt und Revaskularisation, die sogenannte Systemverzögerung („system delay“), so kurz wie möglich gehalten werden (49). Eine rasche Revaskularisation reduziert das Risiko von akuten Komplikationen, wie Rhythmusinstabilität oder hämodynamischer Verschlechterung, und hilft Herzmuskelgewebe zu bewahren. Die Systemverzögerung ist eine der wichtigsten modifizierbaren Einflussgrößen der Infarktsterblichkeit (50). In zahlreichen Studien erbrachte die Verkürzung der Systemverzögerung eine erhebliche Senkung der Infarktsterblichkeit (51, 52). Mindestanforderungen, die möglichst deutlich unterschritten werden sollten, sind: Diagnosestellung mittels EKG innerhalb von weniger als 10 Minuten nach Erstkontakt (dies gilt auch für erfolgreich reanimierte Patienten), Verzögerung zwischen Diagnosestellung und Katheterintervention (PCI) von weniger als 90 Minuten und PCI innerhalb von weniger als 60 Minuten nach Eintreffen im Katheterzentrum (49).

Hierzu sind geeignete organisatorische Maßnahmen zu treffen. Bereits der Rettungsdienst sollte auch bei geringstem Verdacht auf Myokardinfarkt das EKG aufzeichnen und gegebenenfalls die Diagnose des STEMI stellen. Bei Erstvorstellung mit Thoraxschmerz in der Praxis oder einer Notaufnahme hat die EKG-Aufzeichnung Vorrang vor allen anderen Maßnahmen. Zeigt das EKG einen STEMI, so sollte der Patient/die Patientin direkt in das nächste dienstbereite Katheterlabor verbracht werden, auch wenn dies nicht dem räumlich nächstgelegenen Krankenhaus entspricht (53). Die Bestimmung myokardialer Markerproteine spielt in dieser Situation keine Rolle und sollte nicht abgewartet werden. Mit Beginn des Transports sollte das Katheterzentrum informiert werden, um bereits die Transportzeit für die Aktivierung der Katheterbereitschaft und die Vorbereitung des Katheterlabors zu nutzen (54). Eine kurze Anamnese (Kontrastmittelallergie?), orientierende körperliche Untersuchung, Blutentnahme und eventuell Echokardiografie sind allesamt im Katheterlabor möglich und rechtfertigen nicht die primäre Aufnahme auf der Intensivstation. Auf keinen Fall sollte das Ergebnis der Laboruntersuchungen abgewartet werden. Auch die Abklärung möglicher Differenzialdiagnosen durch weitere Bildgebung ist nachrangig zur Katheterintervention.

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